Explosion an Krankenkasseninitiativen

In der Schweiz werden immer mehr Unterschriften für Initiativen bezüglich Krankenkassen gesammelt. Doch wie kommt es dazu? Die Kosten der Krankenkassen steigen stetig und lasten auf den Familien in der Schweiz. Es gibt immer mehr, welche die Prämien nicht bezahlen können. Daher sehen es viele als dringend an, die Entwicklung der Prämien zu ändern und gehen mit Initiativen dagegen vor. Das direktdemokratische System in der Schweiz erscheint auf den ersten Blick sehr geeignet dafür. Doch auch hier tummeln sich die unterschiedlichsten Akteure, so dass dieser Weg steiniger ist, als man meinen möchte.

Die insgesamt vier Krankenkasseninitiativen, für die jetzt schon oder bald Unterschriften gesammelt werden, werden es schwer haben. Auch wenn für die vier Krankenkasseninitiativen die erforderlichen Unterschriften zustande kommen würden, wird es alles andere als einfach, bei einer Volksabstimmung eine Mehrheit zu finden. Obwohl alle Versicherten wegen der steigenden Prämienlast reklamieren, hat das Stimmvolk bis heute fast alle vorgeschlagenen Änderungen abgelehnt.

Riesige Provisionen im Krankenkassengeschäft


Provisionen sind in vielen Geschäftsbereichen gang und gäbe, so auch bei Krankenkassen. Nun wurde vor ein paar Monaten aufgedeckt, wie viel von den Verwaltungskosten wirklich als Provision ausbezahlt werden. So bekommen manche Vermittlerprovisionen von bis zu 1500 Franken für einen neuen Kunden in der Grundversicherung.

Nun diskutieren Marktleiter verschiedener Krankenkassen, ob in der Grundversicherung nur noch 50 Franken pro Neukunde vergütet werden darf. Diese gilt zurzeit nur für das obligatorische Geschäft. In Zukunft sollten auch die Höchstbeiträge für Zusatzversicherungen festgelegt werden.

Im Moment wollen es die Krankenkassen noch versuchen selbst zu lösen. Falls sie zu keiner Einigung kommen würde die Politik eingreifen.

Tracking-Programme auf Krankenkassen Websites

Die Swica schiesst in Kundenumfragen regelmässig obenaus. Doch die Krankenkasse mit ihren 1,4 Millionen Versicherten ist nicht nur bei der Zufriedenheit Spitze, sie ist auch der Krankenversicherer in der Schweiz, der am meisten Kundendaten im Netz sammelt. Mit insgesamt 33 Tracking-Programmen wurde man ausspioniert, hat ein Programm der Universität Hamburg herausgefunden. Nachdem dies publik wurde, hat Swica 30 von den Programmen gelöscht und jetzt sind nur noch 3 Spion Programme auf der Website.

Neu sind solche Tracking-Programme nicht, es ist jedoch ein Problem, wenn im Gesundheitsbereich «spioniert» wird, denn die Menschen sind sich oft nicht im Klaren, welche Infos die Seite speichert.  Dass solche Newsartikel die Krankenkassen ihre Tracking-Programme überdenken ist sicher ein guter Anfang im Kampf gegen die Ausspionierung der Nutzer.

Schwarze Liste der Krankenkassen

Manche Krankenkassen haben ein sogenannte «schwarze Liste», mit allen Versicherten, die die Prämien nicht bezahlen können. Leute, die auf dieser Liste sind bekommen nur noch im Notfall Medikamente oder andere Leistungen.

Dies führte letztes Jahr zu einem Todesfall, da ein Mann mit HIV-Infektion keine Medikamente bekam. Daher ist die «schwarze Liste» nun wieder in den Schlagzeilen und es wird debattiert, ob so eine Liste ethisch ist und wann genau ein Notfall vorliegt. Ein anderer Streitpunkt ist, ob die Liste überhaupt noch einen Nutzen hat. Einige Kantone werden daher die Liste wieder abschaffen, da sie die Grundversorgung einer wirtschaftlich und sozial schwachen Bevölkerungsgruppe gefährde, während es gleichzeitig keine Hinweise auf eine bessere Zahlungsmoral gäbe. Aber auch ohne Liste muss ein Weg gefunden werden, wie mit Versicherten umgegangen wird, die die Prämien nicht bezahlen können. Denn zurzeit sind insgesamt über 33’000 Leute auf dieser Liste.

Kosten von Komplementärmedizin

Sei es Akupunktur gegen chronische Schmerzen oder Homöo­pathie gegen Migräne: Wenn ein Arzt eine solche Behandlung verschreibt, muss die Krankenkasse diese Kosten übernehmen. 2017 belastete die Komplementärmedizin die Grundversicherung mit rund 30 Millionen Franken. Die Krankenkassen müssen aber bezahlen, denn als Folge einer Volksinitiative müssen sie zusätzlich zur Akupunktur seit 2012 die anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Neuraltherapie, die Phytotherapie und die traditionelle chinesische Medizin vergüten. Seit vergangenem August gilt die Regel definitiv.

Auch wenn es nach viel Geld aussieht, gemäss einer von Dakomed in Auftrag gegebenen Auswertung ist die Alternativmedizin im Schnitt günstiger als die Schulmedizin. Demnach sind die Kosten pro Patient bei Komplementärmedizinern tiefer als bei Hausärzten, die ausschliesslich schulmedizinisch tätig sind. Bei homöopathischen Ärzten zum Beispiel waren es 2014 im Schnitt 705 Franken, bei ausschliesslich schulmedizinisch tätigen Grundversorgern 852 Franken. Teilweise werde die Alternativmedizin zusätzlich zur klassischen Medizin eingesetzt. Dies führe aber nicht unbedingt zu steigenden Kosten, da es dadurch teils weniger schulmedizinische Medikamente brauche. Insgesamt ist die Koordination von beiden Methoden wichtig, damit Kosten gesenkt werden können.

Vorschlag für 10’000 Franken Franchise erntet Kritik

Die Chefin der CSS Krankenkasse schlug eine Erhöhung der Mindestfranchise auf bis zu 10’000.- vor. Hand in Hand würde dann aber auch die Prämien bis zu 170.- sinken. Dies würde bedeuten, dass jede Person ihre Krankenkassen Rechnungen bis zu einem Wert von 10’000.- bezahlen müsste, was für chronisch Kranke oder die weniger gutverdienende Bevölkerung schwierig ist. Andererseits wäre es ein Vorteil für diejenigen, die wenig oder nie zum Arzt müssen, denn für sie ändert sich dann nur die Prämien, welche sinken.

Der Vorschlag kam bei den wenigsten gut an, der Ansatz der Franchisenerhöhen jedoch schon, nur nicht so drastisch. Denn die Gesundheitskosten steigen stetig an und müssen irgendwie bezahlt werde. Wenn die Strategie der Franchisenerhöhung gut umgesetzt würde, könnte es sich positiv auf die Gesundheitskosten auswirken.

Franchisen steigen mit den Gesundheitskosten

Der Bundesrat möchte, dass zukünftig die Franchisen angepasst werden, sobald die Gesundheitskosten einen gewissen Wert überschreiten. Einen Vorschlag wurde bereits auserarbeitet. Er schlägt vor, Franchisen und Bruttokosten zu Lasten der Grundversicherung im Verhältnis 1:12 zu halten. Sobald die Kosten pro Person 13-mal höher liegen als die ordentliche Franchise, müssen alle Franchisen um 50 Franken angehoben werden. Dies wäre das nächste Mal bei Kosten von 3’900 Franken der Fall. Man geht davon aus, dass diese Erhöhung sicher im Jahr 2020 fällig ist und es danach alle 4 Jahre erhöht wird. Dieser Vorschlag muss nun vom Parlament angenommen werden.

Ziel dieser Erhöhung ist, dass die Versicherten mehr Eigenverantwortung übernehmen und zukünftig nur dann medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, wenn es auch wirklich nötig ist.

Bonus Programm bei Krankenkassen

Wer gesünder lebt, soll davon profitieren. Das sieht das Bonusprogramm verschiedener Krankenkassen vor.

In der Kritik stehen diese Programme jedoch, denn nicht alle können von den Bonus Leistungen profitieren. Beispielsweise diejenigen, die krank, körperlich beeinträchtigt oder alt sind. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Datenerhebung und die dadurch entstehende Frage zum Datenschutz. Doch es werden nicht nur Sportlichkeit belohnt, sondern auch Vorsorge, soziales und gesellschaftliches Engagement. Bezüglich des Datenschutzes haben die verschiedenen Krankenkassen verschiedene Wege. Man sammelt z.B. nur Schrittdaten von Versicherten oder die Bonusleistungen basieren nur auf Befragungsbogen.

Insgesamt kann man sagen, dass alle Versicherten vom Bonus Programm profitieren, weil die Kosten und Prämien für alle weniger ansteigen, wenn der Grossteil der Versicherten gesund lebt.

Lohnt sich eine Tierkrankenversicherung?

Muss ein Haustier zum Arzt, können die Ausgaben für Behandlungen und Medikamente richtig teuer werden. Daher bieten einige Krankenkassen auch Versicherungen für Tiere an. Aber lohnt sich überhaupt solch eine Versicherung?

Die Versicherung übernimmt die Kosten bei Unfällen, Erkrankungen oder für spezielle Operationen. Standardleistungen wie Impfungen und Kastration sind allerdings nicht mitversichert. Die Höhe des Jahresbeitrags richtet sich nach der Tierart, Rasse, Alter, Größe und Gewicht. Je älter das Tier bei Ver­tragsabschluss ist, desto teurer wird es. Ab einem bestimmten Alter werden Haustiere nicht mehr oder nur gegen einen Aufschlag versichert.

Im Durchschnitt zahlt ein Besitzer jährlich zwischen 120 und 450 Franken für einen Hund. Bei einer Katze beginnen die Tarife bei 80 Franken und enden bei 350 Franken. Je nach Prämie hat man noch eine Franchise von bis zu 1000 Franken. Dazu kommt, dass die Versicherungen die Kosten je nach Police nur bis zu einem gewissen Betrag decken.

Eine Krankenversicherung für Tiere lohnt sich nach unseren Recherchen zumeist nicht.

Böse Überraschungen nach Krankenkassen-Makler Besuch

Immer wieder erleben Versicherte böse Überraschungen, nachdem der Versicherungs-Makler zu Besuch war. Die meisten Personen sind der Meinung, dass sie eine Versicherungs-Offerte anfordern würden. In Wirklichkeit unterschreiben sie jedoch einen Antrag für eine Versicherung.

Oft wollen die Versicherten vom Vertrag zurücktreten. Die Krankenkassen stellen sich jedoch häufig auf den Standpunkt, dass sich der Kunde mit dem Antrag verpflichtet hätte. Vom Vertrag könne ein Versicherter nur zurücktreten, wenn die Krankenkasse die Aufnahmefrist von 14 Tagen nicht eingehalten hat.

Versicherungsmakler, die mit Krankenkassen zusammenarbeiten, sorgen seit Jahren für hitzige Gemüter. Nun wird der Nationalrat übernächste Woche über einen Vorstoss diskutieren. Viele Politiker fordern, dass künftig der Bundesrat die Provisionen der Vermittler regeln sollte.